Luftschutzkeller in Münster/NRW

Luftschutzkeller - Güterbahnhof MünsterDie wohl am häufigsten vorkommende Zivilschutzanlage im zweiten Weltkrieg war der Luftschutzkeller. Diesen mit einfachsten Mitteln zur Luftschutzanlage umgebaute Kellerraum gab es in jeder Stadt. Er war am einfachsten zu realisieren und in kürzester Zeit einsatzbereit.
Zu hunderten wurden sie in den deutschen Städten errichtet. In den Metropolen des Ruhrgebietes wie Dortmund,
Bochum und Essen gab es über 10000 Luftschutzkeller. Es gab private aber auch viele öffentliche Kellerschutzräume. Der Unterschied lag nur an der Größe der LS-Keller.
Die zumeist kleineren privaten Luftschutzkeller lagen in Wohnhäusern, die Öffentlichen Schutzräume lagen in Schulen, Krankenhäusern, im Rathaus, in Postämtern, Kinos...
Die Bezeichnung "LuftschutzKELLER" passte nicht immer so ganz, da es auch private LS-Räume im Erdgeschoss (Gebäude ohne Keller) oder in Treppenhäusern gab. Selten hingegen waren die Luftschutzräume in den oberen Stockwerken zu finden. (in etwa so, wie der Schutzraum gegen Hochwasser in den Häusern auf den Halligen heutzutage....) Aber auch diese Art von "Kellern" gab es vereinzelnd in größeren Firmen und Fabrikanlagen. (Anm.. v. Olly: Ich kenn einen LS-Raum, welcher sich in der zweiten Etage in einem alten Gebäude auf der Zeche Oeynhausen in Ibbenbüren befindet. Ein Hoch-Bunker mal anders...)
Ein Luftschutzkeller schützte im seltensten Fall vor Volltreffern. Er schützte lediglich die Insassen vor Trümmern, Splittern, chemischen KampfstoDräger-Ventil in einem LS-Kellerffen, Luftsog und Luftstößen. Die Wände der Luftschutzräume wurden verstärkt. Dieses konnte durch eine zusätzliche Mauer oder durch einer von innen angebrachten Betonschicht erreicht werden. Die Decken der LS-Räume wurden ausgesteift oder armiert. Je nach Personenzahl und Größe des öffentlichen Kellers gab es verschiedene Regeln und Bauvorschriften, die eingehalten werden mussten.
Auch für den privaten Kellerausbau gab es eine Vielzahl von Vorschriften, wie zum Beispiel die genaue Größe der Gasschleuse oder das zur Beleuchtung nur elektrisches Licht erlaubt war.
Jeder Schutzsuchende sollte einen Platz von mindestens 0,6 m² zur Verfügung haben. Eine Toilette war erst ab einer Schutzraumgröße für mehr als 20 Personen Vorschrift. In kleineren LS-Kellern und Räumen behalf man sich mit Eimern und ählichen Utensilien.
Die beiden Druckschutztüren der Gasschleuse sollten möglichst nicht in einer Flucht liegen. Diese Eingangsverwinkelung findet man in nahezMannesmann-Luftschutzgitteru allen
LS-Stollen und Bunkeranlagen, konnte aber in den meisten Kellern wegen Platzmangel nicht realisiert werden. Jeder Schutzraum sollte zusätzlich zum Eingang (wwelcher so gut wie immer auch die Gasschleuse war) mindestens noch einen Notausgang haben. Auch diese Vorschrift war schwer zu befolgen. Der Notausgang war dann oft nur das Kellerfenster oder der Kellerschacht. Charakteristisch für diesen Notausgang ist die Abdeckung durch ein Mannesmann-Luftschutzgitter. Diese Luftschutzgitter sind bei genauem Hinsehen heute noch öfter in Münster zu finden.
Kellerfenster und andere Öffnungen, die sich oberhalb des Bodenniveaus befanden, wurden mit Splitterschutzmauern versehen, damit sie vor Trümmern und Teilen von Sprengbomben geschützt waren. Oft wurden die die Luftschutzkelleröffnungen nur notdürftig mit Steinen oder Sandsäcken abgedichtet, welche lediglich vor den Öffnungen aufgeschichtet wurden. Wie überall im Schutzraumbau mangelte es auch beim Kellerausbau an Baumaterial und an Arbeitskräften.
Zur Trümmerlastaufnahme wurden Bahnschienen oder Balken notdürftig unter der Decke befestigt. Als Stütze mauerte mancher Privatmann einfach einige Pfeiler oder Stützmauern in seinen Kellerraum. Vielerorts wurden auch Holzstützen und Stempel benutzt. Viele LS-Keller wurden also nur behelfsmäßig ausgekleidet und deshalb nur selten genehmigt, beziehungsweise für die Öffentlichkeit freigegeben.
Auer-LuftklappeIn Münster wurden die genehmigten Luftschutzräume mit Hinweisschildern versehen. Doch von den LS-Schildern ist keins mehr vorhanden, zumindest nicht an den jeweiligen Häusern. Die ersten Luftschutzkeller in Münster wurden bereits 1937 eingerichtet.
Sie befanden sich in folgenden öffentlichen Gebäuden: Im Kramer-Amtshaus, in der damaligen Stadthauptkasse und in der Stadtsparkasse. Für diese ersten drei LS-Keller wurden 20.000 Reichsmark als Zuschuss vom Reich bereit gestellt. Der Polizeipräsident, welcher am 31.03.1937 auch zum örtlichen Luftschutzleiter ernannt wurde, war für die Planung, Leitung, Endkontrolle und vor Allem für die Einhaltung der Bauvorschriften der Luftschutzkeller in Münster zuständig. Er plante schon im darauf folgenden Jahr 56 Sammelschutzräume in Privathäusern, 23 in Schulen und weitere zwei größere LS-Keller in Krankenhäusern. Auch die Luftschutzkeller, die auf Firmengeländen entstanden, wurden von dem LS-Leiter beaufsichtigt und genehmigt.
Die meisten Werkschutzkeller in Münster gab es im Hafengebiet und in den Gebäuden der Reichsbahn. Ende 1938 waren bereits die nächsten 20 öffentlichen LS-Keller in Münster fertig, abgezeichnet und bereit für den Ernstfall.
Bei Beginn des Krieges gab es ansonsten nur noch behelfsmäßige Luftschutzmaßnahmen und zahlreiche Bunkerbaustellen. Ab dem 17.08.1939 ging die Anordnung für den Einbau und Einsatz von Gasschleusen und Lüftungsanlagen in Schutzräumen in Münster raus. Zu groß war nun die Gefahr geworden, dass chemische Kampfstoffe eingesetzt werden konnten. Doch zur Belüftung später mehr.
Auer-LuftklappeDie ersten schweren Bombenangriffe im Sommer 1941 zwangen abermals den LS-Leiter von Münster zu handeln: Etwa ein Dreiviertel Jahr später wurde eine weitere Anordnung vom örtlichem Luftschutzleiter verabschiedet. Die am Anfang vorhandenen 163 Arbeitskräfte beim Bunker- und Luftschutzbau in Münster sollten von nun ab Mauerdurchbrüche zu den Nachbarhäusern schaffen um somit die Rückzugsmöglichkeit zu sichern. Dieses war nicht in jeder Stadt in NRW der Fall, denn einige Architekten sahen die Statik und die Sicherheit der Luftschutzkeller in Gefahr. Vor allem in den Bergbaugebieten wurden solche Kellerdurchbrüche mangels Stabilität nicht genehmigt. In Münster jedoch wurden ganze Häuserzeilen und auch Wohnblöcke unterirdisch miteinander verbunden. Diese Kellerdurchbrüche waren während des Krieges vor allem im Hafenviertel, im Ostviertel und natürlich im Kreuzviertel zu finden. Da diese Häuser größtenteils nach dem Krieg neu erbaut wurden, ist heute nicht mehr viel von den Gängen zu finden. Etwa zur selben Zeit (1941) wurden auch die ersten fünf Bombensicheren Sammelschutzplätze in Münster genehmigt und erbaut. Dieses waren vier Hochbunker (Wolbeckerstraße, Gievenbeck,
Lotharinger und Lazarettbunker) sowie der Tiefbunker im münsteraner Hauptbahnhof. Die bekannten Luftschutzpfeile, die auf einDrägerventileen Eingang in einen Schutzraum deuteten, waren in Münster nicht zu finden. (LS-Pfeile: siehe Peine (externer Link)).
 Wie an Autobahnpfosten, wo der Pfeil zur nächstgelegenen Notrufsäule zeigt, waren überall im Stadtgebiet von Münster jedoch Schilder angebracht, die den kürzesten Weg zum nächsten Schutzraum anzeigten. 1943 gab es in Münster 30 öffentliche Luftschutzkeller in Wohnhäusern, 33 LS-Keller in Schulgebäuden, 37 Luftschutzräume in anderen öffentlichen Gebäuden sowie einige hundert private LS-Keller. (ohne Stadtteile wie Handorf, Wolbeck oder Hiltrup, die im zweiten Weltkrieg noch nicht zu MS gehörten.) Dazu kommen noch die unzähligen Luftschutzkeller in Industriegebieten und Fabriken. Allein am Hawerkamp sind heutzutage noch vier LS-Kelleranlagen vorhanden und mit Genehmigung des Eigentümers zu begehen. (Tel.-Nr. gibt’s bei uns auf Anfrage!) Doch nun zur Ausrüstung eines LS-Kellers. Zunächst muss man hier wieder zwischen der vorgeschriebenen Schutzraumausrüstung und der Schutzraumausstattung, welche hilfreich aber nicht notwendig war, unterscheiden: Ein "Muss" in jedem LS-Keller waren folgende Dinge: Ein Luftdichter Kasten für begiftete Kleidungsstücke, Sitze, Tische, Liegepritschen, mit Wasser gefüllte Trinkwasserkannen, Handlampen, Lebensmittel, die ebenfalls in einer gassicheren Kiste gelagert wurden, sowie eine Schutzraumverordnung. Letztere erklärte die Verhaltensregeln beim Bombenangriff im Schutzraum. Diese Grundausstattung konnte ergänzt werden durch: RegalLS-Keller in Münstere, Decken, Kissen, Kleiderablagen und einem Wasseranschluss mit Waschbecken. Das so genannte Schutzraumhandwerkzeug war ebenfalls Vorschrift und bestand in der Regel aus: Feuerpatsche, Sandschaufel, schwere Axt, Einreisshaken, Rettungsleine (mindestens 20 Meter), Besen, Feuerlöscher, mindestens drei Eimer, Brechstange, Hammer und Meissel, Säge und diversen Zangen. Diese Werkzeuge waren nötig, um sich im Ernstfall wieder befreien zu können. Ansonsten durften eine Luftschutz-Apotheke und ein Luftschutz-Verbandskasten in keiner LS-Anlage fehlen. Viele Menschen lagerten auch ihre persönlichen Dokumente und Wertgegenstände im Keller. Kommen wir nun zur Belüftung der LS-Keller. Zum Thema Schutzraumbelüftung möchte ich hier mal ein paar Zeilen aus einer Anleitung von einer Dräger-Belüftungsanlage zitieren. Die Anleitung stammt aus dem Jahre 1939...

“...Die Schutzraumbelüftungsanlage dient der Lufterneuerung in Schutzräumen und der Erzeugung eines Raumüberdrucks. Der Überdruck gegen Außenluft soll das EinDrägerwerk Lübeck - Ventil in einem LS-Kellerdringen von Kampfstoffen durch irgendwelche Undichtigkeiten verhindern. Die Luftförderung soll für jede Person mindestens 20 Liter in der Minute betragen. Die mit Kampfstoffen verunreinigte Außenluft wird nach Durchströmen eines Staubfilters vom Schutzraumbelüfter entgiftet und in den Schutzraum gefördert. Die Abluft entweicht durch Aborte und Schleusen nach außen. Zur Kontrolle des Raumüberdrucks unter Berücksichtigung des herrschenden Winddrucks ist der Druckmesser mit zwei, gegebenenfalls bis zu vier, nach außen führenden Meßleitungen versehen...”

Die Lüftungsanlage an sich gab es in verschiedenen Ausführungen. Je nach Schutzraumgröße, Geldbeutel und wieviel Zuschuss der jeweilige Bauherr bekam. Zum einen gab es den Blasebalglüfter für den Handbetrieb mittels einem Hebel, ähnlich einer Wasserpumpe auf einem Brunnen. Diesen Schutzraumlüfter gab es in vier Leistungsstärken (18, 36, 72 und 144 m³). Luftaustausch in der Stunde. Zum Anderen gab es auch den häufiger verwendeten Ventilatorlüfter für den Handbetrieb mittelsVentilatorlüfter einer Kurbel oder werksmäßig mit Dreh- oder Gleichstrommotor. Diese Schutzraumbelüftungsanlagen lieferten 72, 144 oder 300 m³ Luft pro Stunde. Als Filter verwendete man Schwebstoff- oder Gasfilter in den oben genannten Größenordnungen (18, 36, 72, 144, 300  Volumenmeter). Die bekanntesten Hersteller für diese Schutzraumlüfter und auch der benötigten Normtüren aus Metall (Druckschutztür/Gasschutztür) waren die Firmen: Auer, Dräger, Piller, Feugas und Mauser. Die meisten dieser Firmen gibt es heute immer noch und sind vor allem der Feuerwehr, dem THW, Tauchern und Bergleuten ein Begriff. Als gegen Ende 1943 Münster immer öfter und mit immer stärkeren Bomben angegriffen wurde, verloren die meisten Luftschutzkeller an Bedeutung für die Bewohner. Die Münsteraner fühlten sich nicht mehr sicher und suchten lieber in den öffentlichen Hoch- und Tiefbunkern Schutz. Vor allem die neueren Hochbunker konnten den Bomben noch einigermaßen stand halten. Nur wer nicht schnell genug war, oder zu weit von dem nächsten Bunker entfernt war, musste in seinem Luftschutzkeller während der Bombenangriffe ausharren...

 

Die Begehungen der Luftschutzkeller in Münster wurden zwischen Ende 2002 und Ende 2004 von Fackel und Eismann durchgeführt. Dabei entstanden auch die Fotos. Die Recherchen wurden bei diversen Besuchen im Stadtarchiv Münster und aus der unten genannten Literatur zusammengestellt. Der Text wurde in den letzten zwei Monaten geschrieben und wurde vorgestern fertig...

                                                               (c) Februar 2005 / D7GT

Quellen für diesen Bericht:
[Stadtarchiv Münster]

[“Luftschutz in Bochum”
Dokumentation des Studienkreises Bochumer Bunker e.V.
Wilfried Maehler, Michael Ide]

[Bunkerwelten - Luftschutzanlagen in Norddeutschland
Michael Foedrowitz
Verlag: Christoph Links Verlag, Berlin
ISBN: 3-89555-062-0]

[“Heimat unter Bomben:
Der Luftkrieg im Raum Steinfurt und in Münster und Osnabrück 1939/1945”
Willi Riegert
Laumann Druck GmbH & Co. KG
ISBN: 3899602358]

[Anleitung der Firma Dräger für Schutzraumbelüfter - 1939]

 

 

 

 

 

 

 

 

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