

Tiefbunker unter dem Aegidiimarkt
Am Aegidiimarkt in Münster, genauer gesagt darunter, befindet sich einer der größten Zivilschutzbunker der Stadt.
Um diesen Tiefbunker zu besuchen, muss man innerhalb der Öffnungszeiten des Parkhauses in die zehnte Etage hinabsteigen.
Hier verändert sich das Aussehen des Parkhauses rapide - die Türen machen einen stabileren Eindruck, außerdem sind sie hier in der zehnten Etage komischerweise immer zu zweit. Kein Wunder, denn es handelt sich hierbei um Druckschutztüren, die den Bunker im Ernstfall hermetisch abriegeln.
Sicher vor biologischen und chemischen Kampfstoffen, können die Schutzsuchenden dann mehrere Wochen in dieser unterirdischen Anlage ausharren.
In dem Tiefbunker findet man die verschiedensten Arten von Drucktüren - jede hat eine besondere Funktion. Die nach außen hin bauchigen Türen dienen in allererster Linie dem Druckschutz der Zivilschutzanlage. Die flachen Panzertüren, die hinter den ersten Türen liegen, bieten zusätzlichen Schutz vor Gasen und anderen Gefahrenstoffen. Jeweils ein Türenpaar (bestehend aus einer Druckschutz- und einer Gasschutztür) ergibt eine Eingangsschleuse, durch die man den eigentlichen Schutzraum im Tiefbunker betreten kann.




Von den Schleusen besitzt der Tiefbunker im Aegidiiparkhaus insgesamt vier. Von diesen sind drei frei zugänglich - sie dienen gleichzeitig als Treppenhaus für die Bewohner der Häuser des Aegidiimarktes und als Notausgang für das Parkhaus.
Die Schleusen sind nahezu baugleich, wir stellen hier deswegen nur eine exemplarisch vor.
Nachdem man durch die äußere Druckschutztür gegangen ist, befindet man sich in der Druckkammer. (links oben) Diese hat durch eine Gegensprechanlage und ein Bleiglasfenster Kontakt mit dem Inneren des Schutzraumes. Von innen kann die gesamte Druckkammer durch Spiegel eingesehen werden. Ein “Einschleichen” in einen bereits überfüllten Bunker ist so nicht möglich. Auch die Türöffnung ist vom Inneren des Schutzraumes her zu bedienen, dazu aber gleich mehr. Die hier gezeigte Schleuse befindet sich im Bauteil C.
Ein Blick durch das oben angesprochene Bleiglasfenster. (Vom Schutzraum in die Schleuse) - rechts in der Ecke hängt der Spiegel, mit dem man die Druckschutztür im Auge behalten kann.
Die Funktion des Spiegels wird durch die beiden folgenden Bilder verdeutlicht:
Links: Der Blick von der Druckschutztür zum Bleiglasfenster.
Rechts: der Blick andersrum.
Sollte es im Inneren der Anlage zu einem Stromausfall kommen, so können sich die Schutzsuchenden an den Leitbändern aus Phosphorfarbe orientieren. Die sind in der gesamten Etage, die der Bunker einnimmt, angebracht. Die Bänder “speichern” Licht und fluoreszieren im Dunkeln.
Das Bild links zeigt eines der Leitbänder; links im Bild befindet sich das Bleiglasfenster und der Spiegel der Schleuse im Bauteil B.
Betreten wir aber nun das Innerste des Bunkers - den Schutzraum...

Im Ernstfall wird die Zufahrtsrampe von Parkdeck neun zu Parkdeck zehn mit solchen massiven Metalltoren verschlossen. Die Zufahrt ist dann hermetisch abgeriegelt und lässt sich von außen nicht mehr öffnen, es sei denn, man entriegelt das Tor von innen.
Die Tore funktionieren nach dem Gravitationsprinzip, das heißt, löst man sie aus der Verankerung und beseitigt die Metallplatten am Boden, schwingen die Tore mit Hilfe der Schwerkraft von alleine zu und versenken sich selbstständig in den Zargen.
Auf den linken Bildern sieht man die Elektrowinden, die zum Öffnen des Tores benötigt werden. Außerdem sieht man an der Wand die Haken hängen, mit denen man die Metallplatten am Boden entfernt.
Das Bild oben zeigt wie groß die Tore sind.





Die oberen Fotos zeigen Detailaufnahmen der Schleuse in Bauteil C. Diesmal aus dem Schutzraum fotografiert. Jede Schleuse verfügt über einen eigenen Steuermechanismus für die Türen, eine Direktverbindung per Telefon zum Bunkerwart und eine Schleusensprechstelle.
Unten: Die selbe Kommunikationseinrichtung, hier Bauteil A.

Vom Schutzraum im Tiefbunker hat man Zugang zu den verschiedensten Räumen (Bilder oben); in Friedenszeiten sind diese Türen natürlich verschlossen.




Die Bilder zeigen die beeindruckende Größe der Anlage. Der Tiefbunker im Aegidiiparkhaus bietet, wie auch der Tiefbunker am Tibusplatz, 3000 Personen Schutz. Auf dem Bild links sieht man die Trennung der beiden Sektionen des Schutzraumes. An der Decke erkennt man, wie auch auf dem Bild unten, kleine grüne Punkte. Die Funktion erklären wir beim nächsten Bild.

Die eben angesprochenen grünen Punkte unter der Decke haben nichts mit dem dualen System zu tun. Sie dienen vielmehr als Orientierungspunkte bei der Einrichtung der Einrichtung in der Luftschutzeinrichtung.
Betten, Schränke und Trennwände werden an diesen Punkten ausgerichtet. Im Tiefbunker muss militärische Ordnung herrschen, sonst würde bei einer Belegung alles im Chaos versinken.
Weiter folgen nun ein paar Bilder der Belüftungsanlage.



Die Einzelteile der Belüftungsanlage stammen von den Firmen Piller und Dräger.
Nach einem kurzen Blick auf die Öffnungszeiten des Tiefbunkers begeben wir uns zum...

Wir steigen die zehn Stockwerke wieder nach oben...
...und machen uns draußen auf die Suche nach den außenliegenden Teilen der Luftschutzanlage.

Zuerst fällt uns dieser versiegelte Schacht auf. Wir vermuten, dass durch ihn die Dieselgeneratoren in den Tiefbunker herabgelassen wurden.

Weiter finden wir diese Litfaßsäule, die uns wegen dem Gitter davor auffällt. Ein Blick durch das Gitter verrät: Auch hier handelt es sich augenscheinlich um einen Teil der Belüftungsanlage.


Auf der anderen Seite des Aegidiimarktes finden wir zwei weitere Ent- oder Belüftungssäulen



In der Nähe der Hauptzufahrt zum Aegidii-Parkhaus befinden sich diese beiden Abgasschächte.
Die Anlage ist zu den Öffnungszeiten frei begehbar. Man muss halt nur in die zehnte Etage vom Aegidii-Parkhaus gehen oder fahren (Mit Auto oder Lift). Die Anlage ist sehenswert, ein Besuch ist zu empfehlen. Der Tiefbunker wurde mehrmals von uns besucht, die Fotos stammen vom Juni 2003 und vom April 2004.
Wir möchten Euch, für einen noch besseren Überblick, unser QTVR aus dem Tiefbunker empfehlen. Ihr findet es hier (klick).
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