Luftschutzstollen in Bochum

Auch in Bochum, oder sollte man lieber schreiben: Gerade in Bochum wurde im Zweiten Weltkrieg eine Vielzahl von Luftschutzstollen gebaut. Das lag zum einen daran, dass die leicht hügelige Landschaft hervorragend für den Stollenbau geeignet war, aber auch zum anderen daran, dass ein Großteil der Einwohner von Bochum aus Bergleuten bestand und diese sich mit dem Stollenbau auskannten. So war es nicht ungewöhnlich, dass der LS-Leiter der Stadt Bochum die Genehmigung für den Bau von über 1000 Luftschutzstollen unterzeichnete. Da viele Firmen und Privatleute ihren eigenen Stollen bauten, ist davon auszugehen, dass es wohl mehr als 2000 LS-Stollen in Bochum gegeben haben muss. Es gab in Bochum eine Vielzahl von verschiedenen Bauweisen der LS-Stollen. Es gab zum Beispiel Stollen aus Eisenbeton in großer Tiefe, gemauerte Stollen, Stahllamellenstollen (siehe auch: LS-Stollen in Münster), Holzstollen oder auch Stollen, die in den blanken Fels geschlagen wurden. Letztere kamen vor Allem in den Steinbrüchen und Steilhängen in Bochums Süden in Nähe der Ruhr vor (vergleiche auch: LS-Stollen in Ibbenbüren). Besonders die Industriebetriebe erschufen ein weit verzweigtes Tiefstollensystem für über 100.000 Menschen 25-30 Meter unter der Stadt Bochum. Diese Anlage verband die einzelnen Firmen, wie Zechen und Stahl- und Eisenhütten, miteinander. Dieses Vorhaben hatte neben dem Werkschutz auch noch einen weiteren Vorteil: Die Versorgungsleitungen für Wasser, Strom usw. wurden ebenfalls durch diese Stollen gelegt, um sie ebenfalls vor Schäden durch Bomben zu schützen. Auch die in Bochum ansässige Rüstungsindustrie verlegte die wichtigsten Arbeiten unter Tage (siehe auch: U-Verlagerung “Salamander”)...

Luftschutzstollen in BochumLuftschutzstollen in Bochum

... Diesen LS-Stollen entdeckten wir eher zufällig, als wir rund um das Gelände der ehemaligen Zeche Präsident nach Anhaltspunkten zur U-Verlagerung "Maultier" Ausschau hielten. Genauer gesagt: Wir suchten einen Eingang! Auf dem Zechengelände befinden sich ja hunderte von Schächten, Stollen und Tunneln, die wir allesamt (sofern sie offen standen) erkundeten. Wir erhofften nun, als wir vor dem betonierten Eingang standen, der U-Verlagerung etwas näher zu kommen. Außerdem waren an diesem Tag gut 28 Grad draußen, so dass wir eine Abkühlung schon vertragen konnten (Ihr wisst schon, 7Grad und so...). Zunächst gingen wir von einem der uns bekannten LS-Stollen aus, die aus zwei Zugängen und einem geradem Hauptgang bestehen. Aber schnell merkten wir, dass wir ein weit verzweigtes, riesiges Stollensystem gefunden hatten. Wir gingen mal rechts, mal links, dann wieder geradeaus...
Doch je weiter wir in das Stollensystem eindrangen, desto schwieriger war auch das Weiterkommen. Immer öfter mussten wir nun durch Kriechpassagen hindurch, oder wir standen vor einem Türsturz, der zu unseren Füßen lag. Um hindurch zu kommen, mussten wir oft unseren eigenen Schluf graben. Der Stollen durchquerte nun eine alte Schlackehalde und war enorm stark verbrochen. Wir bewegten uns teilweise mehrere Meter über dem eigentlichen Stollenboden. Nach einiger Zeit hockten wir abermals vor einem engen Schluf und testeten anhand einer angezündeten Zigarette, ob es noch wetterte. Das Ergebnis war negativ (Am Eingang hatten wir den Rauchtest auch schon gemacht und dabei festgestellt, dass der Rauch in dem Stollen verschwand. Es war also ein Luftzug vorhanden. Dieser kam dann aber wohl aus einer anderen Abzweigung in diesem Stollensystem.). Wir beschlossen also nun uns auf den Rückweg zu machen. Wir zwängten uns erneut durch die Schlufe, krabbelten die Verbrüche rauf und runter, bis wir nass geschwitzt wieder den Aufstieg nach draußen erklommen. Jetzt war erst einmal eine längere Pause nötig, die wir in dem Eingangsbauwerk machten...

Luftschutzstollen in BochumLuftschutzstollen in Bochum

Luftschutzstollen in BochumLuftschutzstollen in Bochum

Da diese Luftschutzstollenanlage sehr EINSTURZGEFÄHRDET ist, und während unserer Exkursion immer wieder Brocken von der Firste fielen, wird die genaue Lage der Eingänge nicht verraten. In die U-Verlagerung "Maultier" geht es hier auch nicht. Wir waren trotz 30 Meter Überdeckung wohl immer noch nicht tief genug. Noch was zu den Fotos: Obwohl schon der Eingangsbereich höchstens 25 Zentimeter hoch war, hatte Georg versucht, sein Stativ mit in die Tiefstollenanlage zu nehmen. Nach einigen hundert Metern passte das Stativ aber nicht mehr durch den nächsten Schluf und musste zurück gelassen werden. Deshalb gibt es Teilweise nur Fotos mit Blitz fotografiert...

 

 

LS-Stollen