U-Verlagerung “Goldammer”

Auf der stillgelegten Bahnstrecke zwischen Schwelm und Witten, zwischen den beiden anderen U-Verlagerungen mit den Decknamen “Meise I” und “Buchfink”, war die U-Verlagerung “Goldammer” im Klosterholzer-Tunnel in Gevelsberg untergebracht. Der alte Reichsbahntunnel und der darüber liegende Fels sorgten für die bombensichere Arbeit der hier untergebrachten Firma Ludwig Hansen & Co aus Münster. Diese Firma war ebenfalls in der U-Verlagerung “Buchfink” untergebracht, die einige Kilometer weiter nördlich von “Goldammer” liegt.

Die Firma Hansen & Co., die ehemals am Dahlweg in Münster ihren Firmensitz hatte, reparierte in der U-Verlagerung “Goldammer” Flugzeuge des Typs “Messerschmitt Bf 109”.
Dieses einsitzige Jagdflugzeug, das im Jahre 1933 von Willy Messerschmitt zusammen mit den bayrischen Flugzeugwerken entwickelt wurde, löste die Arado Ar 68 und die Heinkel He 51 ab. Die Bf 109 wurde dadurch das wichtigste Jagdflugzeug der deutschen Luftwaffe. Obwohl der erste Prototyp mit einem Rolls Royce Kestrel Motor flog, wurde bereits die erste Serienfertigung mit Junkers Jumo 210 Motoren ausgestattet. Das Standardtriebwerk allerdings der Daimler DB 601 bzw. DB 605. Nur die B und C Versionen flogen mit dem Jumo 210. Diese beiden Versionen waren im Vergleich zu den E, F, G und K-Versionen allerdings sehr selten.
Während der gesamten Produktionszeit (acht Jahre) wurden insgesamt um die 35.000 Maschinen dieses Typs gebaut.
Diese Fakten zeigen die Wichtigkeit der relativ kleinen U-Verlagerung “Goldammer”.

Wir wollen Euch hier nach und nach die alte Strecke von Schwelm nach Witten zwischen den oben genannten U-Verlagerungen zeigen. Der Streckenabschnitt in diesem Bericht geht von der U-Verlagerung “Meise I” in Schwelm bis zur U-Verlagerung “Goldammer” in Gevelsberg.

Ein Blick zurück zum Nordportal der  U-Verlagerung “Meise I”, in die ein Rüstungsbetrieb verlegt wurde, der Teile für Flugzeuge fertigte.
Die U-Verlagerung “
Meise I” war hier im Linderhausener Tunnel in Schwelm untergebracht.

In Gevelsberg finden wir an der Strecke ein Viadukt der Rheinischen Eisenbahn, das die ehemalige Kohlebahnstrecke, deren Betrieb 1965 eingestellt wurde,  überspannt.

In diesem Abschnitt der alten Bahntrasse liegen keine Schienen mehr. Das es hier mal ein Gleisbett gab, kann man nur noch am Schotter erkennen. Wir laufen also immer weiter nach Norden...

Die Bahnstrecke ist damals eingleisig ausgebaut gewesen, nur in den Tunneln, in denen die U-Verlagerungen untergebracht waren, verlief sie zweigleisig.

Die Strecke ist gut zu erwandern. In einigen Jahren soll sie zu einem Radweg ausgebaut werden. Die U-Verlagerungen wären dann schnell und bequem mit dem Rad zu erkunden.

Nach weiteren zwei Kilometern sehen wir sie dann - Die U-Verlagerung “Goldammer” - hier das Südportal.
Gut zu erkennen: Die Strecke wird im Moment nicht gepflegt.
Umgestürzte Bäume, verstopfte Gräben, naturbelassene Landschaften.

Das Portal aus der Nähe. Rechts im Bild ist das Schild mit der Aufschrift:
“Klosterholz-Tunnel - 350m”

Direkt im Eingangsbereich befinden sich auf der rechten Seite Reste von  Einbauten. Es scheint, als ob hier, ähnlich der U-Verlagerung “Rebhuhn”, eine zweite Ebene eingezogen war.

Von den rechnerisch vorhandenen 3010m² nahm die Firma Ludwig Hansen & Co. laut Wichert 2.800m² ein. Der restliche Raum wird wohl dem Luftschutz gedient haben.

In dieser kleinen U-Verlagerung wurde also jeder Zentimeter effektiv genutzt.

Ein Blick zurück und weiter geht’s...

Einige der gegeneinander angeordneten Ausweichbuchten wurden von Vandalen aufgestemmt. Dahinter sieht man Teile der alten Belüftungsanlage (Kamine), durch die nun Wasser sickert.

Verbliebene Halterungen an der Wand des Klosterholzer-Tunnels.

Ähnlich den Pfeilen an Autobahnen, die die nächste Notrufsäule anzeigen, zeigen die Pfeile im Inneren des Tunnels den Weg zum nächsten Ausgang.

Ein Teil der Spritzbeton-Verkleidung in der Nordhälfte hat sich von der Decke gelöst.

Weitere Halterungen.

Das Nordportal von Innen gesehen. Im Hintergrund erkennt man die Brücke der BAB A1, die an dieser Stelle die alte Strecke von Schwelm nach Witten überquert.
Die Abfahrt-Volmarstein ist knapp 500 Meter von hier entfernt.

Das Nordportal des Klosterholzer Tunnels.
Der Tunnel ist vermüllt, aber frei zugänglich. Bis auf ein paar wenige Einbauten ist nichts mehr von der
U-Verlagerung zu erkennen.

Folgt man dieser alten Bahntrasse weiter nach Norden, kommt man automatisch zur U-Verlagerung “Buchfink”, wir gehen in diese Richtung weiter...

Danke für die Ergänzung der Flugzeuginformationen an Thomas Bickhoff!

Januar 2004

Goldammer