Stollenmundloch ZeolithU-Verlagerung “Zeolith”- Geheimprojekt  im Teutoburger Wald







 

Im “Decknamenverzeichnis deutscher unterirdischer Bauten des zweiten Weltkrieges” (Hans Walter Wichert) wird die Namensgebung von U-Verlagerungen näher erläutert. So heißt es über gesteinskundliche Namen bei U-Verlagerungen, das diese neu zu schaffende Stollensysteme seien.
Die U-Verlagerung “Zeolith” (Siedestein) wurde also extra gebaut, und nicht, wie etwa in den
Ofenkaulen (Deckname “Schlammpeitzger”), ein vorhandenes Stollensystem genutzt...

U-Verlagerung Zeolith - Hauptstollen...als im Mai 1944 die so genannte “Öloffensive” gegen das Deutsche Reich startete und sich die Alliierten Bomberkommandos die Zerschlagung der deutschen Mineralölindustrie zur obersten Aufgabe gemacht hatten, ahnten sie nicht, was die Folgen waren.
Die Alliierten waren sehr erfolgreich und richteten großen Schaden an Anlagen der deutschen Ölindustrie an. Aber sie lösten damit auch den letzten verzweifelten großen Akt der deutschen Rüstungsindustrie aus, die nun versuchte sich zu schützen. Die Rüstungsindustrie versuchte nun die Mineralölindustrie und natürlich auch andere Rüstungsbetriebe bombensicher zu verlagern. Die große “U-Verlagerungs-Welle” war (auch in NRW) ins Leben gerufen. So wurde auch die kriegswichtige Öl- und Brennstofferzeugung Untertage in Stollen und Gruben verlegt. Zum Einen waren die Rohstoffe in den Kriegsjahren immer knapper geworden, aber im Gegenzug benötigte man immer mehr Treibstoff für die Fahrzeuge, Flugzeuge und Maschinen, um den aussichtslosen Krieg noch gewinnen zu können. Zum Anderen lag die Selbstversorgung von Rohstoffen in Deutschland damals bei etwa 30%. Der Restbedarf, welcher sonst aus dem Ausland importiert wurde, fiel nun Kriegsbedingt aus. Eigenes Öl war in Deutschland auch zu wenig vorhanden, so dass man gezwungen war, auf die reichlich vorhandene Kohle zurückzugreifen. (Mineralöle bestehen hauptsächlich aus Kohlenstoff U-Verlagerung Zeolithund Wasserstoff - Diese findet man wiederrum, wie könnte es auch anders sein, in Kohle und Wasser...) Die Chemiker der damaligen Zeit hatten nun die Aufgabe die Elemente Wasserstoff und Kohlenstoff aus den vorhanden Rohstoffen zu “entnehmen” und sie in der gleichen Weise wieder “zusammenzufügen”, wie es beim “echten” Mineralöl der Fall war. Die Chemiker gaben ihr Bestes, aber damals waren alle bekannten Verfahren für die synthetische Treibstoffherstellung sehr aufwendig. Man benötigte dafür viel Platz in enorm großen Hallen oder, wie in diesem Fall, groß angelegte Stollenneubauten, um in Ruhe arbeiten zu können. Die vorhandenen Stollen und Reichsbahntunnel waren oftmals zu klein für die benötigten Einbauten wie zum Beispiel Tanks und Kessel. Um den großen Bedarf an benötigtem Treibstoff zu decken und zu sichern, wurden überall im Land so genannte “Hydrierwerke” (H-Werke) in unterirdischen Räumen geplant. Nur teilweise wurde mit der Bauausführung begonnen, so auch in Ibbenbüren:
Bei der U-verlagerung “Zeolith” handelte es sich um eine kombinierte Anlage, bestehend aus einem Projekt “Schwalbe” und einem Projekt “Ofen”. Insgesamt wurden 156 Plätze für H-Werke im gesamten Deutschen Reich vorgeschlagen und U-Verlagerung Zeolithgeprüft. Man begann aber nur bei acht Anlagen vom Projekt “Schwalbe” mit der Bauausführung. Vier von diesen Hydrierwerken wurden hier in NRW erbaut, beziehungsweise angefangen. Die Kombination der Projekte “Schwalbe” und “Ofen” war sinnvoll und wurde deswegen öfter vorgesehen. Oft standen sie in unmittelbarer Nähe zueinander oder waren sogar zusammen an ein und demselben Ort errichtet worden, oder wenigstens geplant: Solche Dopplungen der beiden Projekte kamen bei den folgenden Anlagengruppen vor:
“Schwalbe IV” und “Ofen 5/6”
“Schwalbe VI” und “Ofen 7/8” - Deckname “Asbest”.
Die bekannteste Anlage mit einem Projekt “Schwalbe” ist sicherlich das
Projekt “Schwalbe I” - Tarnname “Eisenkies”.

Alle diese Hydrieranlagen in NRW liegen versteckt im Sauerland - außer eben der hier vorgestellten Untertageanlage “Zeolith”, welche sich im Teutoburger Wald befindet.

Starten wir also nun mit dem Bericht über das Projekt “Ofen 37/38” in Ibbenbüren:

Die Projekte “Ofen” waren Kleindestillieranlagen, die zur besseren Tarnung in Steinbrüchen, Steilhängen und versteckt in Schluchten der Mittelgebirge meist Übertage erbaut wurden. Teilweise wurden die Destillieranlagen aber auch in vorhandene Stollen und Höhlen verlegt - sofern diese groß genug waren. Einen eigenen Decknamen, wie andere Projekte bekamen die Anlagen “Ofen” allerdings nicht. Dies ist auch der Grund für die hohe Nummerierung der Ofen-Anlagen, bis hin zu “Ofen 43/44”.
U-Verlagerung ZeolithDie Anlage “Ofen 37/38” hier in Ibbenbüren war ebenfalls in einem alten Steinbruch im Teutoburger Wald versteckt.
Wofür dienten die Anlagen vom Typ “Ofen” nun genau? In diesen Kleindestillationen wurde Rohöl in Ottokraftstoff und Dieselkraftstoff umgewandelt. Das Ziel war 6000 Tonnen Kraftstoff im Monat zu produzieren, davon gingen 3000 Tonnen an den Markt. Die andere Hälfte wurde an die Raffinerieanlage “Dachs I” in Porta-Westfalica geliefert.
Die Anlagen “Ofen” waren allesamt relativ klein und von daher schnell zu errichten. Die Anlagen waren aber auch sehr verletzlich, so wurde in der näheren Umgebung für jede Ofen-Anlage ein Platz für eine Reservedestillation durch behelfsmäßigen Umbau von Dampfkesselanlagen in (teils stillgelegten) Fabriken gesucht. Hier sollten Anlagen vom Projekt “Rost” untergebracht werden. Vom Projekt “Rost” gab es gerade im Ruhrgebiet eine große Anzahl, unter Anderem auch in Dortmund und Oberhausen.


Nun aber zur U-Verlagerung “Zeolith”, in der eine der Anlagen vom Projekt “Schwalbe” untergebracht werden sollte:
Die Voraussetzungen für den Neubau eines Hydrierwerkes “Schwalbe” unter dem Decknamen “Zeolith” waren im Bocketal mehr als günstig. Alle wichtigen Grundvoraussetzungen, die für einen Stollenneubau, in dem ein H-Werk untergebracht werden sollte, berücksichtigt werden mussten, waren vorhanden. So gab es einen Bahnanschluss und eine Straße in unmittelbarer Nähe, schließlich ist eine unterirdische Rüstungsproduktion ohne Verkehrsanbindung nutzlos. Eine Fabrik mit Starkstromanschluss und Trafostation stand bereits in der Nähe und stellte die nötige Energieversorgung sicher. Bahnanschluss der U-Verlagerung ZeolithBrauchwasser konnte man aus der nahe gelegenen Steinfurter Aa entnehmen und Holz gab es (wie heute auch noch) im Teutoburger Wald in großer Menge. Das nächste Sägewerk war auch nicht weit von der unterirdischen Rüstungsproduktion “Zeolith” entfernt, hinzu kam noch, dass die anderen benötigten Baustoffe (Zement und Ziegel) aus den benachbarten Steinbrüchen, Ziegeleien und Zementwerken in Brochterbeck und Ibbenbüren herbeigeschafft werden konnten. Die U-Verlagerung “Zeolith” war von Natur aus bombensicher - eine 40 bis 60 Meter mächtige Sandsteinschicht als Deckgebirge sollte die unterirdische Rüstungsproduktion schützen. Der Stolleneingang und somit das H-Werk lagen gut versteckt zwischen Fichten und etwas höher als die Talsohle, so dass das Abwasser gut abgeleitet werden konnte. Selbst für den Schutz während der Bauzeit war gesorgt. Eine größere LS-Stollenanlage und ein Versuchsstollen aus der Altbergbau-Zeit befanden sich in nächster Nähe zum geplanten Rüstungswerk. Doch es blieb nur bei einem Versuch. Als der Mineralölsicherungsplan am 01. August 1944 verabschiedet wurde und somit der Bau von Kohlehydrieranlagen eingeleitet wurde, konzentrierte man sich zunächst auf die Anlagen “Schwalbe I” bis “Schwalbe VI”. Später, Ende 1944, lief dann auch der Baubeginn der Anlagen “Schwalbe VII” und “Schwalbe VIII” (wovon “Zeolith” eine werden sollte) an. Die U-Verlagerung “Zeolith” hatte die Baunummer 5057 und wurde am 01. Januar 1945 beschlossen und genehmigt. Verantwortlich war der Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion (Amt: Bau-OT, Arbeitsgruppe Technik), doch das nur am Rande. Beton im Wald...
Sehr weit kam man mit dem Stollenausbau der U-Verlagerung “Zeolith” jedoch nicht mehr. Bis zum Kriegsende hatte man (im April 1945 wurde Ibbenbüren eingenommen) einen 30-40 Meter langen Hauptstollen in den Teutoburger Wald getrieben. Desweiteren gab es einen zweiten Eingang, rechts neben dem Hauptzugang. Dieser Stollen bog nach wenigen Metern links ab und traf dort wieder auf den Hauptstollen. Wie das fertige Stollensystem von “Zeolith” aussehen sollte, bleibt wohl für ewig ein Geheimnis. In der Nähe des Mundloches sind noch einige Betonreste zu finden.

Kommen wir noch einmal auf das Projekt “Schwalbe” an sich zurück - was sollte produziert werden?
Die Hydrierwerke mit den Decknamen “Schwalbe” waren für die Produktion von Flugzeugbenzin vorgesehen. Sie sollten im so genannten Dehydrierverfahren aus Benzin (aus “Ofen”) und aus Kohlenteer (Braun- und Steinkohle) speziellen Kraftstoff für zum Beispiel die Me 262 herstellen. Das Benzin für das Projekt “Schwalbe” in “Zeolith” kam aus dem Projekt “Ofen 39/40”. Dieser lag direkt nebenan. Keine vier Kilometer entfernt lag außerdem der nächste Steinkohleschacht - Zeche Theodor - somit war auch der Nachschub an diesem wichtigen Rohstoff gesichert.

U-Verlagerung ZeolithWir kennen die unterirdische Rüstungsproduktion “Zeolith” schon sehr lange. Wir standen im Sommer 1992 zum ersten Mal vor dem großen Stollenmundloch in der Osnabrücker Wand. Wir fragten uns, warum man dieses wohl so gut verschlossen hatte. Nicht nur dass das Stollenmundloch vermauert und verputzt war, zwei Meter dahinter war der Stollen zusätzlich mit einer massiven Betonplombe vergossen. Natürlich war uns damals der Deckname noch unbekannt. Lange Zeit gingen wir von einem riesigen Stollen- und Gangsystem aus, denn wenn man den Eingang so sorgfältig verschließt, muss man wohl etwas Größeres verbergen wollen.
In den darauf folgenden Jahren bis heute besuchten wir “Zeolith” immer und immer wieder. Durch die vielen Wanderungen durch den Teutoburger Wald kannten wir das Gelände schon recht gut, suchten aber im Radius von zwei Kilometern rund um das Stollenmundloch den Wald ganz genau ab. Wir erhofften noch verschüttete Zugänge, weitere Stollenmundlöcher, Verbrüche oder andere Spuren zu finden. Wir wurden auch fündig. Nur haben die anderen Stollen nichts mit Zeolith zu tun - es gab keine Verbindung...
Im Laufe der Jahre lernten wir immer mehr Leute kennen, die ein paar Tips und Hinweise für uns hatten. Außerdem fand man noch verschiedene Angaben und Mutmaßungen in Heimatbüchern.
Bis jetzt liefen die Recherchen zu der Anlage “Zeolith” in Ibbenbüren, so dass wir erst jetzt einen (hoffentlich vollständigen) U-Verlagerung ZeolithBericht schreiben konnten.

 

 

 

September 2004

 

 

 

Zeolith