Befestigungen im Aachener Stadtwald
Auch der Aachener Stadtwald war Teil des Westwalls, genauer gesagt war er Teil des ab dem 9. Oktober 1938 errichteten “Aachen-Saar-Programm”, das nun auch die Städte Aachen und Saarbrücken in die Westverteidigung mit einbezog.
Erhalten geblieben ist unter Anderem dieser Kampfbunker Regelbautyp SK/6a Nr. 153. Es handelt sich hierbei um eine Sonderkonstruktion. Die Wandstärke beträgt zwei Meter. Die Bewaffnung bestand aus einem MG 08. Insgesamt waren hier 9 Mann Besatzung vor Ort.
Eine Skizze der Sonderkonstruktion 6a findet man unter diesem Bericht.
Für diesen Bunker wurden 483 m³ Beton verbaut. Von diesem Bunkertyp wurden 1939 in NRW elf Stück gebaut. Dies ist das einzige noch vorhandene Exemplar.
Die Sechsschartenkuppel dieser Sonderkonstruktion im Westwall ist heute nicht mehr erhalten.
Mit der geringen Stärke von lediglich 50 Millimetern, bot die Panzerkuppel keinen ausreichenden Schutz gegen panzerbrechende Waffen.
Anfang 1944 wurden Teile des Grenadier-Ersatz- und Ausbildungsbataillons 453 in den Bunker 153 verlegt. Sie gehörten zum Regiment 253. Dieses war ab dem 7. September 1944 dem Kampfkommandanten von Aachen unterstellt.
Zwei Tage, nachdem der Stab der 353. Infanterie-Division den Abschnitt übernommen hatte, griffen Teile der 1. US-Infanterie-Division in Richtung Aachen an. Am 13. und 14. September schließlich begann der Kampf um die in diesem Teil der Verteidigungslinie gelegenen Bunker. Auch die 116. Panzerdivision konnte den Vormarsch der alliierten Truppen nicht stoppen, so dass der Bunker 153 in diesen Tagen von den Amerikanern besetzt wurde.
Auch dieser Bunker erfüllt heute einen sinnvollen Zweck - Hier haben Fledermäuse ein “sicheres” zu Hause gefunden. Dies ist auch der Grund, warum die Sonderkonstruktion SK/6a Nr. 153 nicht mehr zu betreten ist.
Bei einem erneuten Besuch der Anlage im April 2005 stellten wir fest, dass die Fledermausschutztür aufgebrochen wurde. Wir nahmen die Gelegenheit wahr und machten im Inneren der Anlage einige Fotos, die wir an dieser Stelle zeigen möchten.
Das Bild auf der rechten Seite zeigt die geöffnete Tür im Innenhof der Sonderkonstruktion.
Der Zugang in den Vorraum. Von hier zweigt der Gang nach links und rechts ab. Nach links führte damals ein Gang zu der heute entfernten Panzerkuppel, dieser ist heute vermauert. Rechts geht es weiter in die Gasschleuse der Anlage (Siehe Nr. 3 der Skizze unten).
Das Bild zeigt den Blick aus der Gasschleuse in den Bereitschaftsraum und auf den heute vermauerten Notausgang (Nr. 4 auf der Skizze).
Hier sieht man links den (verschlossenen) Zugang zur Flankierungsanlage (Nr. 5 auf der Skizze) und dem dazugehörigen Munitionsraum (Nr. 6) - rechts im Bild der Zugang zur Gasschleuse (Nr. 3).
Zwischen den beiden Türen sieht man am Boden die Einsätze für die Schwitzwasserlöcher. Diese sind noch im Original vorhanden.
Blickt man etwas weiter nach rechts, (links ist der Zugang zur Gasschleuse) erkennt man einen vermauerten Zugang. Hinter diesem liegt der Munitionsraum unter dem Sechschartenpanzerturm 423P01.
Dies ist insofern verwunderlich, da auf den uns vorliegenden Grundrissen der Anlage an dieser Stelle kein Durchgang eingezeichnet ist. (Vgl. Skizze)
Nun folgen einige Details der Lüftungseinrichtungen:
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Hier noch einmal ein Bild der oben angesprochenen Einsätze der Schwitzwasserlöcher.
Hinweis: Direkt nach der Besichtigung der Anlage informierten wir das Forstamt Aachen. Der Bunker wurde umgehend wieder verschlossen - massiver als vorher. Ein Betreten der Anlage ist folglich nach wie vor nicht möglich!!!
Anreise:
Lütticher Straße Richtung Aachen - rechts Richtung Entenpfuhl - Am Restaurant Entenpfuhl bestehen Parkmöglichkeiten.
Den Klausbergweg Richtung Klausberg bergauf folgen, hinter der nächsten Wegkreuzung befindet sich der Bunker auf der linken Seite in einem zugewachsenen Pfad.
Exkursionen aus April 2003 und April 2005
Skizze von der Sonderkonstruktion - Stand mit Sechsschartenturm im Aachener Stadtwald
Die Abmessungen der Sonderkonstruktion:
10,70 x 12 Meter
1.: Munitionsraum unter dem Sechschartenpanzerturm 423P01
2.: Vorraum und Flur
3.: Gasschleuse
4.: Bereitschaftsraum
5.: Flankierungsanlage
6.: Munitionsraum
Quellen:
[“Der Westwall von Kleve bis Basel” Auf den Spuren deutscher Geschichte, Ein Tourenplaner; Dieter Robert Bettinger, Hans-Josef Hansen, Daniel Lois; Verlag Podzun - Pallas; ISBN: 3-7909-0754-5; 2002]
[“Der Westwall - Vom Denkmalwert des Unerfreulichen” - Manfred Groß u.A.
Köln 1998, ISBN: 3-7927-1668-2]
[Eigene Recherchen und Exkursionen]
ACHTUNG!!! - Sollte noch jemand Innenaufnahmen aus der Zeit haben, bevor der Bunker für die Fledermäuse hergerichtet wurde: BITTE MELDEN! - Telefonischer Kontakt im Impressum.
