Auf Spurensuche bei 7 Grad Ungewöhnliches Hobby: Georg Sehrbrock und Olly Stoy erkunden alte Bunker Von Martin Kalitschke Schon ihr Name ist geheimnisvoll. „Wir sind das 7Grad-Team“, stellen sich Olly Stoy und Georg Sehrbrock vor. Klingt irgendwie nach Bergsteigen oder Meteorologie, hat damit aber (fast) gar nichts zu tun: Olly und Georg erkunden in ihrer Freizeit alte Bunker. Ein richtig abenteuerliches Hobby steckt also hinter dem geheimnisvollen Namen. Mit Taschenlampen durch lange Schächte laufen und so. Über eine andere Lieblingsbeschäftigung – das Wandern - kamen die beiden zu Bunker-Spotting. „Dabei stießen wir immer wieder auf alte Bunker, bis wir beschlossen, uns mehr damit zu beschäftigen“, erzählt Olly Stoy, 30, Werbetechniker. Als sie ein wenig später einen Riesenbunker im Siebengebirge besichtigten, nahmen sie sich außerdem vor, ihr Hobby öffentlich zu machen: Auf der Internetseite 7grad.org ist nachzulesen, wo die beiden schon überall waren und was sie dort gesehen haben. Warum 7Grad? „Weil das in der Regel die Temperatur ist, die in Bunkern herrscht“, erklärt Georg Sehrbrock, 24, der gerade eine Erzieherausbildung macht. Und warum Bunker – und nicht Schallplatten oder wenigstens Briefmarken? „Historisches Interesse“, erzählt Georg. „Andere schauen sich Burgen an.“ „Außerdem“, ergänzt Olly, „wollen wir dafür sorgen, dass die Geschichte dieser Bauwerke nicht in Vergessenheit gerät.“ Heute haben sich die beiden den Schützenhofbunker an der Hammer Straße vorgenommen. Quietschend öffnet sich eine Stahltür. Für die Bands, die hier proben, wurden die Wände neu gestrichen, doch es gibt auch noch viel Originalausstattung zu sehen. Inschriften an den Wänden, das alte Belüftungssystem. „1943 erbaut,“ referiert Olly. „Und am 18. November 1944 gab es bei einem Volltreffer 68 Tote.“ Georg leuchtet derweil mit einer selbstgebauten Lampe die Wände ab und sucht nach Relikten von einst. Das 7Grad-Team war auch schon am Atlantik- und am Westwall und ist durch Sauerland und Eifel gestapft. „Wenn ein Bunker offen ist, gehen wir natürlich rein“, berichtet Olly. Egal. Wie groß der Eingang ist. Nicht ungefährlich – aber das nehmen sie in Kauf. Meist allerdings sind die Bunker verschlossen. Dann suchen sie jemanden, der ihnen weiterhelfen kann, oder haben eben Pech gehabt. „In Münster“, haben sie festgestellt, „ist es sehr kompliziert, in Bunker reinzukommen.“ Bislang sind die beiden immer nur zu zweit unterwegs gewesen, über Mitstreiter würden sie sich allerdings freuen – Leute, die wie sie Interesse haben, die Vergangenheit zu erkunden und zu dokumentieren. „Außerdem würden wir uns über Zeitzeugen freuen“, sagt Georg Sehrbrock. An die sei nämlich in Münster ebenso schwierig ranzukommen wie an Bücher über die alten Bunker. (Westfälische Nachrichten 20.01.2004)